Zahlen

Weltweit wird von 5.000 Opfern pro Jahr ausgegangen, diese Zahl von der UNO ist allerdings aus dem Jahr 2000.

(United Nations: Civil and Political Rights, Including Questions of: Disappearances and Summary Executions: Report of the Special Rapporteur, Ms. Asma Jahangir: Submitted Persuant to Commission on Human Rights Resolution 1999/35 (E/CN.4/2000/3). New York, Commission on Human Rights, United Nations, 2000)

Für Deutschland gilt:

“Zwischen 1996 und 2005 hat es entgegen den Befürchtungen auf der Basis der zunehmenden Medienberichterstattung weder eine Zu- noch eine Abnahme der Häufigkeit von Ehrenmorden gegeben. Bei einem Viertel der untersuchten 78 Fälle handelt es sich um Ehrenmorde im engeren Sinn, ca. 40% sind Grenzfälle zur Partnertötung, ein weiteres Drittel sind Grenzfälle zur Blutrache und sonstige Mischtypen. In ca. einem Drittel der Fälle sind mehrere Täter und/oder mehrere Opfer involviert.”

(Oberwittler, D., Kasselt, J. (2011), Ehrenmorde in Deutschland. Eine systematische Untersuchung ehrbezogener Tötungsdelikte in Familien und Partnerschaften zwischen 1996 und 2005, Polizei + Forschung, Bd. 42, Köln: Wolters Kluwer Deutschland, S. 167)

“Der Anteil männlicher Opfer liegt mit 43% unerwartet hoch. Häufig werden zusammen mit den weiblichen Opfern auch deren unerwünschte Partner angegriffen, in einigen Fällen auch nur diese.”

(ebd S. 168)

Für die Türkei gilt:

“Zwischen 2000 und 2005 wurden 1.806 Frauen Opfer von Ehrenmorden. Weitere 5.375 begingen auf Druck der Familie Selbstmord. Obwohl Frauen, die unter verdächtigen Umständen starben, erst gar keine Aufnahme in die Statistik fanden, bedeutet dies, dass Tag für Tag ein Ehrenmord geschieht.”

(Önal, Ayse. Warum tötet ihr? 2008. Auflage 1, Droemer, S. 323)

Zusammenfassung:

Aufgrund der hohen Dunkelziffer, unerkannter Suizide und auch ähnlicher Verbrechen wie Säureattentate oder der allgemeinen (vorwiegend sexuellen) Gewalt gegen Frauen sind die hier aufgeführten Zahlen nur ein kleiner Ausschnitt der strukturellen Gewalt. Darunter fällt auch die ökonomische Ungleichstellung (Einkommensschere), der eingeschränkte Zugang zu Bildung und Gesundheit, die Sexualisierung von Frauenkörpern innerhalb der Kultur, sexuelle Belästigung und Ausbeutung, Mitgiftmorde, Witwenverbrennung, Frauenhandel oder Feminizde. Die UN zieht in ihrem Bevölkerungsreport von 2000 folgende Schlussfolgerung:

“At least 60 million girls who would otherwise be expected to be alive are »missing« from various populations, mostly in Asia, as a result of sex-selective abortions, infanticide or neglect.”

(UN The state of population report 2000, Chapter 3, Page 25)