Zwangsheirat

Viele NGOs kämpfen für eine weitere Thematisierung von Zwangsheirat und arrangierten Ehen ein, unter anderem die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES e.V.

Definition:

Es existieren verschiedene Definitionen von Zwangsheirat und arrangierten Ehen und die Grenze zwischen beiden kann, aufgrund des dehnbaren Gewaltbegriffs, fließend verlaufen.

“Zwangsverheiratungen liegen dann vor, wenn mindestens einer der Eheleute durch die Ausübung von Gewalt oder durch die Drohung mit einem empfindlichen Übel zum Eingehen einer formellen oder informellen (also durch eine religiöse oder soziale Zeremonie geschlossenen) Ehe gezwungen wird und mit seiner Weigerung kein Gehör findet oder es nicht wagt, sich zu widersetzen.”

(Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zwangsverheiratung in Deutschland – Anzahl und Analyse von Beratungsfällen. 2011.)

Weitere Informationen zur Abgrenzungsproblematik finden sich auch im Statement von Prof. Dr. Gaby Straßburger (Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin), bei einer Anhörung des Landtags Nordrhein-Westfalen zum Thema “Zwangsheirat”, wieder. In diesem Papier  beschreibt Sie auch die idealtypischen Phasen einer arrangierten Eheschließung.

Ein großer Fortschritt konnte am 1. Juli 2011 mit dem Zwangsheirats-Bekämpfungsgesetz verzeichnet werden, welches im StGB §237 zu finden ist.

Hilfe für Betroffene:

Für Betroffene junge Frauen existiert ein Hilfsnetzwerk, von anonymen telefonischen Beratungen bishin zu anonymen Wohneinrichtungen unter sozialpädagogischer Betreuung. Auch für Lehrer, Freunde, Geschwister, Nachbarn oder sonstige Personen wurden spezielle Hilfeangebote geschaffen, um Verdachtsfälle zu melden.

Ein spezialisiertes Angebot für betroffene Jungen und Männer steht gegenwärtig leider noch aus.

Zusammenfassung:

“Zusammenfassend lässt sich in Hinblick auf die Anzahl der von Zwangsverheiratung bedrohten und betroffenen Personen, die mit dieser Untersuchung erfasst wurden, sagen, dass die Angaben auf einer weiten Definition von Zwangsverheiratung beruhen. In 60 % der Fälle war die Zwangsverheiratung angedroht und noch nicht vollzogen. Mit den bereits verheirateten Personen sind auch diejenigen erfasst, deren Eheschließung bereits vor längerer Zeit erfolgte.
Eine nicht genauer zu beziffernde Anzahl an Personen wurde voraussichtlich mehrfach erfasst, da etliche Betroffene mehrere Beratungsstellen aufgesucht haben. Die befragten Beraterinnen und Berater vermuten, dass sich zwischen 14 und 43 % der erfassten Personen mit Beratungsbedarf wegen einer (angedrohten) Zwangsverheiratung noch an weitere Einrichtungen gewandt haben.
Insgesamt gaben die Beraterinnen und Berater aus 830 Beratungs- und Schutzeinrichtungen in Deutschland an, dass sie im Jahr 2008 zusammen 3.443 Personen zu dem Thema Zwangsverheiratung beraten haben, darunter waren 252 (7 %) Männer.
Personen, die sich nicht an Beratungsstellen wandten, sind hier nicht enthalten. Daneben sind Personen, die im Zuge einer (angedrohten) Zwangsverheiratung zwar nicht selbst zur Ehe gezwungen, aber z. B. als Unterstützungspersonen oder Lebensgefährten mit bedroht sind, ebenfalls nicht erfasst.”

(Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zwangsverheiratung in Deutschland – Anzahl und Analyse von Beratungsfällen. Kurzfassung. 2011. S. 24)